Handball

Deutschlands A-Jugend holt den Europameistertitel

Spannender hätte es nicht sein können. In einem wahren Krimi setzte sich die deutsche A-Jugend-Nationalmannschaft im Finale der U18-Europameisterschaft mit 30:29 (26:26, 14:13) nach Verlängerung durch. Zudem wurden Simon Ernst als bester Spieler auf Rückraum Mitte und Marcel Engels als bester Defensivspieler ins All-Star-Team gewählt. „Es war ein Finale zweier Top-Mannschaften auf höchstem Niveau. In einem Endspiel kann es nun einmal nur einen Sieger geben. Hut ab vor den Schweden. Es war ein glücklicher, aber verdienter Sieg. Ich freue mich sehr für die Jungs, dass sie sich diesen Traum, für den sie hart gearbeitet haben, erfüllen konnten“, sagte DHB-Trainer Klaus-Dieter Petersen.

Überragender Akteur im Finale war Jonas Maier, der Torhüter im Gehäuse des deutschen Teams. Nach ausgeglichener erster Halbzeit sorgten seine Paraden im zweiten Durchgang dafür, dass sich die DHB-Youngsters mit 18:14 (34.) und 20:17 (45.) absetzen konnten und an einen möglichen Erfolg gegen die bis dato ungeschlagenen Schweden zu glauben begannen. Doch die Skandinavier, gestützt auf einen ebenfalls starken Torwart, Niklas Kraft, kamen immer wieder heran. Nach dem 26:24 (59.) eine halbe Minute vor Schluss sahen sie wie der sichere Sieger aus. „Da waren wir eigentlich tot“, sagte Wolfgang Sommerfeld.

Die jungen deutschen Spieler stellten eine Wurffalle, in die der schwedische Rechtsaußen prompt hineintappte: sein Dreher wurde eine sichere Beute von Jonas Maier. Ein Gegenstoß brachte das Team auf einen Treffer heran, und mit der Schlusssekunde schaffte Tom Spieß noch den Ausgleich. Die Partie ging in die Verlängerung. Da schien Jonas Maier im Tor schier unüberwindbar. „Jonas hat tatsächlich die letzten fünf Bälle, die auf sein Tor kamen, alle gehalten“, staunte selbst Pitti Petersen. „Maier war überragend und legte den Grundstein zum Erfolg“, pflichtete Bundestrainer Martin Heuberger bei. „Aber wichtig war auch die Geduld, mit der das Angriffsspiel aufgezogen wurde.“

Anders als im Spiel der Vorrunde, das die Skandinavier überlegen mit 29:20 gewonnen hatten, entwickelte sich das EM-Finale zu einer Partie auf Augenhöhe. In der Abwehr agierte das Team des Trainerduos Klaus-Dieter Petersen/Dr. Christof Armbruster mit einer sehr beweglichen 3:2:1-Variante. Die Spieler nahmen jeden Zweikampf an und schnürten die Räume der schwedischen Rückraumakteure ein. Auch den bulligen Kreisläufer Viktor Rhodin hatte man gut im Griff. Nur über die Außen drohte Unheil, da kamen die Schweden zu gut einem Dutzend Treffer. Das hätte dem deutschen Team fast den Sieg gekostet, in der Schlussphase traf Viktor Hallen viermal hintereinander von Linksaußen und brachte die Schweden in Front. Zwei Minuten vor dem Abpfiff landete ein Siebenmeterwurf von Zetterman im Gesicht von Jonas Maier, was dem Schweden die Rote Karte einbrachte. Maier, der später zum besten deutschen Spieler des Finales gewählt wurde, konnte zum Glück weiterspielen und mit offener Manndeckung kam die DHB-Auswahl dann noch zum wichtigen Ausgleich.

Die deutschen Europameister:
Jonas Maier (1.-60.), Christopher Rudeck (bei einen 7m); Maximilian Bettin, Paul Drux (3), Max Emanuel (4/1), Marcel Engels (5), Simon Ernst (5), Jannik Hausmann (1), Timo Kastening, Jannik Kohlbacher (1), Yves Kunkel (4), Moritz Preuss (1), Alexander Saul (1), Jaron Siewert (1), Tom Spieß (4), Lars Spieß. – Trainer: Klaus-Dieter Petersen und Dr. Christof Armbruster

STIMMEN:

DHB-Präsident Ulrich Strombach:
„Ich bin natürlich stolz auf die Jungs und auf die Arbeit unseres Trainer-Teams. Unser Konzept, mit ehemaligen Spitzenathleten aus unserer Nationalmannschaft im Nachwuchsbereich zu arbeiten, hat sich wieder einmal bewährt. Dieser Erfolg ist eine tolle Bestätigung unseres Konzepts in der Nachwuchsarbeit und der Durchgängigkeit unseres Systems. Ich bin überzeugt, dass sich mit dem gesamten Team und seinen Trainern und Betreuern auch unser Bundestrainer Martin Heuberger und Handball-Manager Heiner Brand, die bei der EM vor Ort waren, freuen.“

Bundestrainer Martin Heuberger:
„Kompliment an das Trainer-Team Klaus-Dieter Petersen und Dr. Christof Armbruster. Nicht nur ihre taktische Ausrichtung war top, auch die Mentalität, die sie in diese Mannschaft getragen haben, war vorbildlich. Erstaunt hat mich zudem die Entwicklung dieses Teams, die sie im Laufe dieses EM-Turniers genommen hat.“

Handball-Manager Heiner Brand:
„Ein solcher Titel ist für den Verband aber auch für die Arbeit mit dem Nachwuchs unerhört wichtig. Es zeigt, wir haben Spieler, die die Erfahrung eines Wettkampfs auf diesem Top-Niveau und den Druck eines solchen Turniers kennen und daraus in der Zukunft schöpfen können. Wichtig ist aber auch, dass wir die individuell starken Spieler ausbilden, und da fanden sich in diesem Team einige.“

Wolfgang Sommerfeld, Mentor Eliteförderung: „Das war genial, ein hochklassiges Finale mit einem verdienten Sieger, weil es unserem Team gelungen ist, die schwedischen Leistungsträger aus dem Spiel zu nehmen. Riesenkompliment an unsere beiden Trainer Pitti  Petersen und Chris Armbruster, die erstklassige Arbeit abgeliefert haben, alles jugendgerecht aufbereiten konnten und die Jungs auch emotional auf den richtigen Weg gebracht haben.“

Abschluss-Platzierung der U18-EM in Österreich 2012:
1. Deutschland, 2. Schweden, 3. Dänemark, 4. Spanien, 5. Slowenien, 6. Österreich, 7. Kroatien, 8. Weißrussland, 9. Norwegen, 10. Serbien, 11. Rumänien, 12. Frankreich, 13. Schweiz, 14. Tschechien, 15. Island, 16. Finnland

Von: CH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s