Deutscher Handballbund · Handball · Klaus-Dieter Petersen · Pitti Petersen · THW Kiel

Der Klassiker im Wohnzimmer des VfL Gummersbach

Zum Auftakt in die 50. Saison der Handball-Bundesliga treffen mit dem VfL Gummersbach und dem THW Kiel die beiden dominantesten Teams der Ligageschichte in Dortmund (15 Uhr) aufeinander. Seit 1966 gewannen sie 28 Titel. Bis 1991 regierte der VfL, danach der THW.

Es ist die logische Partie am logischen Ort zum Jubiläum. Dass der Klassiker im sogenannten Wohnzimmer des VfL, in Dortmund stattfindet, wo der VfL einst große nationale und internationale Erfolge feierte, passt ins Bild. Zusammen repräsentieren sie mit 28 Titeln über die Hälfte aller Meisterschaften seit Einführung der Liga im Oktober 1966. „Wir haben uns eine ganz besondere Paarung ausgesucht“, freut sich Ligageschäftsführer Frank Bohmann.

Angeführt von Handball-Heroen wie Hansi Schmidt, Heiner Brand, Joachim Deckarm und Andreas Thiel holte der VfL bis 1991, als man im gesamtdeutschen Finale den SC Magdeburg niederrang, insgesamt elf Titel. Fortan regiert der THW die Bundesliga. Seit 1994 holten die „Zebras“ insgesamt 17 Meisterschaften. 2007 lösten die Schleswig-Holsteiner die Oberberger als Rekordmeister ab.

Absturz in die Mittelmäßigkeit

Die Jahre nach 1991 markieren also einen historischen Übergang. Die Frage, warum der VfL nach langer Dominanz in die Mittelmäßigkeit abstürzte, wird seither heiß diskutiert. Personell wurde die Zäsur einerseits sichtbar, als der Trainer Heiner Brand und der „Hexer“ im Tor, Andreas Thiel, den VfL im Sommer 1991 nach 19 (Brand), beziehungsweise  zwölf Jahren (Thiel) verließen. Auch die Zeit des legendären VfL-Managers Eugen Haas lief allmählich ab. Aber wirtschaftlich hatte es der VfL schon seit dem letzten Europapokalsieg 1983 schwer, weil die großen Einnahmen auf europäischer Ebene fehlten – damals hatte der VfL in der Liga nur einen Schnitt von 1600 Fans pro Spiel. „Die Halle war eigentlich nur gegen Großwallstadt und Essen ausverkauft“, erinnert sich Brand.

Die Kieler hingegen waren schon seit den 1960er Jahren Zuschauer-Krösus der Liga – nach 1985 war jedes Heimspiel in der Ostseehalle mit 7000 Fans ausverkauft, seit 2001 kommen über 10000 Fans in die Halle. Aus dieser Perspektive hätte der THW viel früher als 1994 die Meisterschaft holen müssen. „Wir haben uns in Gummersbach in diesen Jahren ja immer innerlich totgelacht, warum der THW, der ökonomisch so überlegen war, nicht Deutscher Meister wurde“, berichtet Brand.

Finanzielle Lage macht den Unterschied

1989-93 Gummersb. 73
Klaus-Dieter Petersen 1989

Nach der Wende 1989/90 geriet der VfL gegenüber der Konkurrenz wirtschaftlich noch stärker ins Hintertreffen, als zunächst Play-Off-Spiele eingeführt und dann eine Aufstockung der Bundesliga beschlossen wurde. Damit klaffte die Lücke zwischen zuschauerarmen Clubs wie Gummersbach und den Vereinen wie Essen, Wallau-Massenheim oder insbesondere Kiel noch weiter auseinander. Aus den Erlösen der zusätzlichen Heimspiele konnte der THW im Sommer 1990 einen Star wie Magnus Wislander für eine teure Ablöse (115.000 Mark) aus Göteborg transferieren.

Klaus-Dieter Petersen spielte in jener Ära in beiden Klubs. Als junger Kreisläufer war er 1989 zum VfL gekommen und feierte 1991 seine erste Meisterschaft. 1993 wechselte er zum THW und gewann acht weitere, womit er in dieser Kategorie Rekordhalter ist. „Man hat in Gummersbach die Zeit ein bisschen verschlafen“, sagt Petersen. „Wirtschaftlich ist der VfL einfach von anderen Klubs überholt worden, aber auch andere Traditionsvereine wie Großwallstadt und Essen stürzten ja in die gleichen Probleme.“Am Geld allein habe es nicht gelegen, glaubt Petersen. „Man kann es auch sportlich argumentieren und sagen, dass der THW Kiel sich 1993 mit Noka Serdarusic einfach den besten Trainer gesucht hat und mit Uwe Schwenker den besten Manager der Liga hatte.“ (Erik Eggers)

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