Handball · Klaus-Dieter Petersen · Pitti Petersen · THW Kiel · TSV Altenholz

Der THW Kiel zieht ins Umland

Der-THW-Kiel-zieht-ins-Umland_Die Verantwortlichen des THW schalten einen Gang höher, lassen die Stadtgrenze hinter sich und suchen sich in Altenholz eine neue Trainingsheimstatt. Geplant ist dort ein Komplex für Weltklasse-Profis und Nachwuchs gleichermaßen, den ein deutscher Investor nach Informationen der Kieler Nachrichten bis Mitte 2018 mit einem Volumen in zweistelliger Millionenhöhe realisieren wird. Die Zebras werden sich als Langzeitmieter für mindestens 15 Jahre binden.

 Der „Leuchtturm“ – eine Kooperation von Handballern und Fußballern, die bundesweite Strahlkraft entwickelt hätte – wird nun nicht gebaut. Von einem Bruch sprechen THW- und KSV-Verantwortliche nicht. Eher von Einvernehmen, immer produktiven Gesprächen und viel Verständnis. Die Zebras, die bislang zum Pendeln zwischen Russee, Wellsee, Kronshagen und Universität gezwungen waren, kehren der Landeshauptstadt den Rücken und entscheiden sich für Altenholz.

 Trainingszentrum in Altenholz

Eingerahmt vom IT-Dienstleister Dataport, der Verwaltungsfachhochschule und dem Apartment-Park „Westside Living“ werden Domagoj Duvnjak, Steffen Weinhold und Co. dort nicht nur die Basis eines Hallenparketts vorfinden, sondern endlich auch eine komplette „heimische“ Infrastruktur mit Umkleidetrakt, Laufbahn, Kraftraum und weiteren Einrichtungen der Leistungsdiagnostik. Trainerbüro, Besprechungsraum, Arztzimmer und Räumlichkeiten für den THW-Nachwuchs runden das Trainingszentrum auf der einen Seite ab. Weitere Mieter aus den Bereichen Fitness, Physiotherapie und Ernährungsberatung werden den Komplex in enger Abstimmung mit dem THW Kiel beziehen. Zudem wird es ein angeschlossenes „Hostel“ geben, in dem den Kieler Handball-Primus allein 13 Doppelzimmer zur Verfügung stehen werden.

 „Seit 2009 waren wir bemüht, das Training zu optimieren, haben verschiedene Standorte sondiert. Während der Planungen in Projensdorf wurden wir nun von einem Investor angesprochen. Wir wurden sozusagen von der Entwicklung überholt. Daraufhin haben wir der Stadt das Signal gegeben, dass wir uns für einen anderen Standort entschieden haben“, erklärte der THW-Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Ziegenbein die Kehrtwende. Die Tatsache, dass der 20-malige deutsche Meister nun nicht mehr als Investor, sondern als Mieter in Erscheinung tritt, hat für den Juristen nur Vorteile: „Zum einen müssen wir uns um die Finanzierung gar nicht mehr kümmern, können aber auf der anderen Seite unsere Vorstellungen zu 100 Prozent realisieren. Außerdem kommen wir schon 2018 in die Nutzung, gewinnen zwei, drei Jahre. Dadurch, dass wir aus der wirtschaftlichen Pflicht raus sind, können wir weiter ins Sportliche investieren.“ Beine statt Beton – so könnte also das Zebra-Motto für die kommenden Jahre lauten.

Bedingungen waren zweitligatauglich

 Trainer Alfred Gislason wird das gerne hören. „Jeder in Kiel und beim THW war immer bemüht, was die Bedingungen betrifft. Aber die waren nicht mehr als zweitligatauglich, eines THW Kiel nicht würdig“, sagte der Isländer am Mittwoch in Tokio am Rande einer Handball-Reise nach Japan. „Es ist wichtig, dass die Spieler ein echtes Heim haben. Das fängt bei Kleinigkeiten wie einem eigenen Spind an. Ich freue mich sehr, wenn endlich alles unter einem Dach ist.“

 Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hätte zwar das Trainingscenter „gerne direkt in Kiel gehabt“, äußerte jedoch Verständnis: „Wir können die Vorteile der so nur am Standort Altenholz zu realisierenden Lösung gut nachvollziehen. Kiel und die Kiel-Region sind nur gemeinsam stark. Das gilt nicht nur für Wirtschaft und Wohnungsbau, sondern auch für den Sport. Die Spiele werden natürlich weiter in der Kieler Sparkassen-Arena ausgetragen.“

Hauptsitz bleibt in Kiel

Daran will auch THW-Geschäftsführer Thorsten Storm nicht rütteln. Er sagte in Tokio: „Der THW Kiel bleibt in Kiel, mit seinem Sitz, seiner Geschäftsstelle und bei seinen Heimspielen. Aber wir brauchen das Trainingszentrum, um auch in Zukunft international und national mithalten zu können. Die bisherigen Bedingungen sind einfach nicht mehr haltbar, da ist uns die Konkurrenz längst enteilt.“

 Erst 2021 wäre die Trainingsstätte in Projensdorf nach KN-Informationen zu realisieren gewesen. Allein ein Umweltverträglichkeits-Gutachten hätte jetzt, nach bereits drei Jahren Planung, noch einmal ein Jahr in Anspruch genommen. „So viel Zeit“, so Storm, „haben wir einfach nicht. In einem Trainingszentrum in Altenholz können bereits Mitte 2018 die ersten Bälle fliegen.“

 Ohne Groll bewertet Fußball-Drittligist Holstein Kiel die Entscheidung des THW Kiel. „Ich finde es sehr schade. Es wäre ein Leuchtturmprojekt zweier ambitionierter Vereine gewesen, ein Signal der Sportstadt Kiel über die Landesgrenzen hinaus“, sagte der Kaufmännische Geschäftsführer der Störche, Wolfgang Schwenke.

 Der ehemalige Handball-Nationalspieler der Zebras betonte aber, er könne „den THW nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht verstehen. Der THW braucht schnelle Lösungen. Die Umsetzung unseres Projektes war zeitlich nicht absehbar“. Die KSV Holstein habe Plan B mit einer alleinigen Bebauung schon seit geraumer Zeit in der Schublade. Schwenke: „Aktuell ist das allerdings noch kein Thema. Das kommt erst nach einem Aufstieg in die Zweite Liga auf den Tisch.“ (Kieler Nachrichter 21.7.16)

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