Handball

Das ist das, was wir lieben

So nutzt Kiels Jugendkoordinator Klaus-Dieter Petersen die Corona-Pause. Er lernte das Handballspielen in Hannover und lobt die Recken für ihre Nachwuchsarbeit.

Hannover/Kiel Der 340-malige Nationalspieler Klaus-Dieter Petersen (51) ist Nachwuchskoordinator des Handball-Bundesligisten THW Kiel. Als Spieler holte Petersen neun Meisterschaften und gewann dreimal den DHB-Pokal sowie einmal den EHF-Cup. Als Co-Trainer des THW war der gebürtige Hannoveraner, der in der Jugend für Misburg und Anderten spielte, am Champions-League-Sieg 2007 beteiligt. Seine größten Erfolge mit der Nationalmannschaft waren der Gewinn der Europameisterschaft 2004 in Slowenien sowie der Silber bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Seit 2005 ist Petersen zudem Jugendtrainer beim Deutschen Handballbund.

Herr Petersen, leiden Sie in der Corona-Zeit unter Handball-Entzug?

Nein. Wir haben zwar relativ abrupt aufgehört, aber ich habe voll weitergearbeitet. Wir sind gleich in die Offensive gegangen und haben die Jungs einzeln mit Trainingsplänen versorgt. Und das an jedem Tag. So wollten wir bewirken, dass der Alltag nicht komplett unterbrochen wird und sie weiter Ziele verfolgen. Natürlich konnten sie im athletischen Bereich nur das trainieren, was zu Hause oder alleine im Wald möglich war.

Was war Ihnen noch wichtig?

Dass der soziale Kontakt weiter besteht – und zwar ein persönlicher Kontakt mit dem Trainer. Das haben wir ganz gut hingekriegt, denke ich, wir haben sie bei Laune gehalten. Wir haben mit ihnen auch besprochen, dass sie die positiven Dinge sehen sollen: Was hat diese Zeit mir persönlich gebracht? Es war doch gut, dass wir mal runtergekommen sind, dass wir mal gezielt an unseren Defiziten arbeiten konnten.

Und wie halten Sie die Jungs zurzeit bei Laune?

Wir machen Krafttraining, spielen Badminton, demnächst geht es ins Passtraining – wir machen Taktiktraining per Video. In den nächsten Wochen werden wir wieder einen Muskelzuwachs bei den Spielern haben, dann entsteht ja ein Kraftzuwachs – und damit für unsere Sportart auch ein Leistungszuwachs. Aber der Handballer will spielen. Die Jungs wollen sich mit jemand anderem battlen, sei es mit dem Torwart beim Torwurf oder in Eins-zu-eins-Situationen. Das ist das, was wir lieben. Wir warten sehnsüchtig darauf, dass das wiederkommt.

Wie lange brauchen Sie nach der Corona-Pause, um ein Jugendteam wieder wettkampffähig zu bekommen?

Die Faustformel ist ja, du brauchst so lange, wie du ausgesetzt hast. Wir betreiben hier ja Nachwuchsleistungssport – also gilt das genauso. Die stabilisierende Muskulatur lässt nach. Diese spezifischen athletischen Anforderungen des Handballs wiederzuerlangen – dafür brauchen wir jetzt ungefähr 17 Wochen. Beim U15-Spieler geht es vielleicht schneller als beim U19-Bundesliga-Spieler. Wir brauchen diese Zeit auch deshalb, weil wir zwischendurch noch eine 14-tägige Urlaubsphase einplanen müssen, damit die Spieler regenerieren können. Wir müssen aber jetzt irgendwann mal wieder loslegen, wenn wir im September wieder anfangen wollen.

Um mal die Profis ins Spiel zu bringen: War es richtig, die Bundesliga-Saison abzubrechen?

Es war genau richtig. Natürlich sieht es im Moment ganz gut aus, was die Infektionszahlen betrifft. Aber es hätte auch in eine andere Richtung gehen können. Später die Saison weiterzuführen wäre unverantwortlich gewesen, weil es ein viel zu großes Verletzungsrisiko gegeben hätte. Im Nachwuchsbereich können wir es schon gar nicht riskieren, dass unsere Spieler unvorbereitet in die Spiele gehen. Ein Athletiktraining zu Hause ersetzt nie eine sportartspezifische Belastung. Das können wir nur über handballspezifisches Training über mehrere Wochen aufbauen. Da darf man nichts überstürzen, da darf auch Geld keine Rolle spielen.

Muss es vielleicht doch erst mal mit Geisterspielen im September weitergehen?

Ich glaube, dass der Handball in Deutschland ein Sport ist, den die Leute lieben – den Handball wird es immer geben. Also würde er auch das verkraften. Am Anfang jammern vielleicht einige und sagen dann später: Dank unserer Sponsoren haben wir die Kurve in letzter Minute noch gekriegt. Ich glaube, es geht bei allen Vereinen weiter.

Sie sind auch Jugendtrainer beim DHB – wie sieht die Zukunft des deutschen Handballs aus?

Wir sind auf einem guten Weg, wir haben einen guten Bundestrainer (Alfred Gislason, Anm. d. Red.), wir haben einen guten Junioren-Nationaltrainer (Martin Heuberger, d. Red.), wir haben sehr viele Talente in den Bundesliga-Vereinen. Ich sehe das sehr positiv. Wir können in Zukunft vieles erreichen.

Und wie sieht es in Ihrer alten Heimat Hannover aus?

Ich schaue immer nach Hannover. Ich schaue mir an, was Hannover-Burgdorf macht, schaue, was der HSV Hannover macht oder Großburgwedel. Ich habe auch noch Kontakt zu Eintracht Hildesheim. Die haben alle gute Arbeit geleistet, es sind ja auch viele Talente entwickelt worden. Ich finde es sehr stark von den Recken, auf Veit Mävers zu setzen, ihm Vertrauen zu geben. Schade, dass ein Joschi Thiele und ein Timo Kastening aus Hannover weggehen. Aber das zeigt ja auch, dass eine gute Entwicklung der Spieler stattgefunden hat, wenn sich andere Vereine für die Jungs interessieren. HAZ Jonas Freier

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s